Bis zuletzt ließen sich die Organisatoren der Villacher Faschingsgilde Zeit, die „Katze aus dem Sack zu lassen“. Am 8. Jänner war es dann aber soweit: um 20 Uhr stieg die Premiere des Villacher Faschings 2010. Zu diesem halbrunden Jubiläum im 55. Jahr ist den Draustädter Narren wieder ein großer Wurf gelungen.
Übrigens: Die 55. Ausgabe ist nicht das einzige Jubiläum, das in Villach gefeiert wird. Hannes Höbinger lehrt als „Nachzipfer“ das Publikum zum bereits zehnten Mal die Kärntner Phonetik („A du a do“).
Alexander Telesko feiert nach fünfjährigen Bühnenabsenz mit einer Klaviernummer ebenso sein Comeback wie Helmut Binter, der heuer in die Rollen von Werner Faymann, Silvio Berlusconi und Angela Merkel schlüpft.
Mit Steinmetz Gernot Pacher und Irina Kribitsch überzeugen zwei junge hoffnungsvolle Nachwuchstalente erstmals mit ihren Prangerreden das Narrenpublikum.
Und schließlich verrät uns Udo Jürgens – alias Faschingsneuzugang Rudi Herold – das Geheimnis, dass „mit 75 Jahren noch lang noch nicht Schluss“ ist.
Kein Jubiläum, dafür traditionell auf der Tagesordnung der Faschingsbühne: aktuelle Themen wie Hypo-Bank und Politik. Wenngleich das „tapfere Wirtschaftsschneiderlein“ Markus Warum schmunzelnd anmerkte: „Es hat kein Politiker in diesem Jahr derartige Leistungen zustande gebracht, aufgrund derer er/sie erwähnenswert wäre.“
Erwähnenswert hingegen ist die Zukunft von Markus Warum. „Eigentlich die gleiche Situation wie in den Jahren zuvor: Die ist offen, steht in den Sternen“, verrät der freischaffende Künstler, Maler und Kabarettist. „Verschlägt es mich beruflich nach Wien oder ins Ausland, wird es sich zeitlich wohl nicht mehr ausgehen. Bleibe ich in Villach, freue ich mich natürlich weiter auf die Auftritte beim Villacher Fasching.“
Manfred Tisal wird heuer zwar nicht mehr auf der Bühne zu sehen sein, bleibt aber der Faschingsgilde weiter als Schriftsteller (E-Vaxi, Der Klopfer) und als „Stimme im Hintergrund“ (Der Klopfer) erhalten.
Top fünf in der ORF-Jahreswertung
210 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen auch 2010 wieder dafür, dass die insgesamt 13 Faschingssitzungen reibungslos über die Bühne gehen werden. Und die Vorbereitung eines der größten heimischen TV-Events ist nicht gerade ein Kinderspiel. „Im vergangenen Jahr haben über 1,3 Millionen Zuseher unsere ORF-Sitzungen mit verfolgt“, führt Kanzler Walter Rudka aus.
Damit haben es die Villacher (trotz harter Konkurrenz wie EU-Wahlen oder Schi-Weltmeisterschaften) wieder unter die Top fünf der meistgesehenen Sendungen Österreichs geschafft. Bei den Sendungen mit Beginnzeit 20.15 Uhr ist der Villacher Fasching gar die Nummer eins!
„Die Anforderungen an Organisation und Technik sind enorm, zumal wir ausschließlich auf die Mithilfe freiwilliger Helfer angewiesen sind. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle meine Kolleginnen und Kollegen.“ Völlig ohne jegliche finanzielle Entlohnung stellen sich natürlich auch die Stars zur Verfügung.
Die 13 Faschingssitzungen sind wieder restlos ausverkauft. Die Villacher Faschings-Fans können aber auch in diesem Jahr die traditionelle ORF-Sitzung (Aufzeichnung am 6. Februar) am Faschingsdienstag (16. Februar) auf ORF 2 mit verfolgen.
Nachstehend einige Sprüche aus dem Programm 2010:Nachzipfer (Hannes Höbinger)
Vorschläge für neue Parteinamen:
FKK – so nackert, wie Kärnten derzeit dasteht.
PPK – die Pleite Partei Kärnten
Da unterrichtet man in der Schule politische Bildung, aber den Gegenstand haben anscheinend viele Berufspoltiker geschwänzt.
Lehrer: „Franzi, wie lautet das politische Motto von unserem Landeshauptmann?“
Franzi: „Keine Ahnung!“
Lehrer: „Absolut richtig, sehr gut.“
Heiß und knackig (Sonja Juchart, Franz Kleinbichler)
Er: Mit der neuen Brille sehen sie aber nicht mehr gut aus.
Sie: Wieso, ich hab ja keine neue Brille.
Er: Aber ich!
Er: Wissen Sie, woher der Name „Mode“ kommt? Männer opfern die Ersparnisse.
Sie: Meinem Mann habe ich den guten Geschmack erst beibringen müssen.
Er: Da haben Sie aber Glück gehabt, dass er den nicht schon vorher gehabt hat.
Er: Meine Frau ist immer noch so verliebt, dass sie beim Küssen die Augen zumacht.
Sie: Eh klar, haben sie schon einmal in den Spiegel geschaut?
Sie: Ich weiß, dass er mich mit einer anderen betrügt. Ich weiß nur nicht, womit.
Sie: Man hat jetzt Gläser erfunden, durch die alle Frauen schöner ausschauen.
Er: Die kenne ich. Die haben nur den Nachteil, dass man sie immer wieder auffüllen muss.
Irina von daham (Irina Kribitsch)
Mei vorletzte Verabredung war nur a halber Erfolg: I war jo da, aber er nit!
Jetzt mach i eh schon a Diät. Des haßt, eigentlich mach i jo zwa, weil von ana wird i nit satt.
Das tapfere Wirschaftsschneiderlein (Markus Warum)
Ich habe einen ehemaligen Hypo-Manager getroffen. Er wurde vor einem Jahr fristlos entlassen – er hat versehentlich Gewinne eingefahren.
Sie kennen ja sicher den Unterschied unserer Bundesregierung und einem Theater. Im Theater werden gute Schauspieler schlecht bezahlt …
Bilaterale Gespräche (Helmut Binter)
Faymann: Ich wollte einfach mal fragen, wie es dir so geht?
Berlusconi: Na, wie soll es einem Italiener schon gehen? Natürlich wie geschmiert.
Faymann: Wie alt bist du eigentlich?
Berlusconi: Ich geh auf die 70 zu. Aber ich sag nicht, aus welcher Richtung.
Berlusconi: Wenn es in einer Ehe eine Krise gibt, dann sind immer zwei Menschen schuld: Die Ehefrau und ihre Mutter.
Faymann: Die Österreicher, die die SPÖ am allerheftigsten kritisieren, lassen sich in zwei Gruppen einteilen: In Männer und Frauen.
E-Vaxi (Elisabeth Trattnig, Rudi Klampferer)
Er: Meine Frau und ich haben uns gütlich getrennt. Sie hat das Drinnen bekommen und ich das Draußen.
Sie: Ich habe eine Heiratsannonce aufgegeben. Der Erfolg war gleich Null.
Er: Aber sie tragen ja einen Ring. Also haben sie doch einen Mann gekriegt.
Sie: Das ist ja die Null.
Der Klopfer (Gernot Pacher)
Nach Ansicht vieler wär jo der Pröll der beste Bundeskanzler, den es nie gab. Wonn der noch mehr Vawondte hätt, tät die gonze Regierung Pröll haßn.
Unsere Koalition ist wie a türkischer Problemfilm mit tschetschenischem Untertitel. Kana waß, wer dos Sogn hot.
Die Opposition beherrscht die Kunst, den Ast, auf dem die Regierung sitzt, so obzusageln, dass sie selbst a noch drauf Plotz hot.
Wie heißt es so schön: Strache weiß, was Wien denkt. Und Häupl denkt, was Wien weiß.
Die Hypo hot jo immer schon Nilpferde als Sparschweine verwendet, weil denen das Wasser sowieso bis zum Hals steht.
Wenn heute zu ana Bank gehst, muaßt jo direkt forgen, ob de ane Sicherheiten hobn.
Wenn die Musi spielt
Arnulf Prasch (Jani Munda): Wie schaffst du es, dich in deinem Alter so fit zu halten?
Udo Jürgens (Rudolf Herold): Durch meine Freundin. Ich bring sie jeden Tag zur Schule und hol sie auch wieder ab.
















